
Kurt Eisner - Schriftsteller, Pazifist, Philosoph und ersten Bayerischer Ministerpräsident
Am 14. Mai 2017 wäre Kurt Eisner 150 Jahre alt geworden. Die LandtagsSPD lud zu einer Matinée im Maximilianeum ein
„Bayern ist fortan ein Freistaat“: Mit diesen großen Worten besiegelte Kurt Eisner am 8. November 1918 den Umsturz von der Monarchie zur Republik. Einen Tag zuvor fand auf der Münchner Theresienwiese eine Massenkundgebung statt, von dort aus zog Eisner gemeinsam mit Ludwig und Carl Gandorfer zu den Münchner Kasernen und übernahm nach und nach, aber ohne Blutvergießen, die Macht. Die Monarchie war abgesetzt – und der Sozialist und Revolutionär Kurt Eisner wurde der erste Ministerpräsident Bayerns. Am 14. Mai hätte er seinen 150. Geburtstag gefeiert. Die SPD- Landtagsfraktion nutzte diese Gelegenheit, um im Maximilianeum bei einer Matinée an den Schriftsteller, Journalisten und Politiker zu erinnern. Im vollbesetzten Senatssaal trafen sich auch Mitglieder des SPD- Arbeitskreises Labertal und der Seliger Gemeinde. Professor Ferdinand Kramer vom Institut für Bayerische Geschichte und Münchens Alt- Oberbürgermeister Christian Ude ließen den Jubilar für die Zuhörer in einer wissenschaftlichen Betrachtung und in einer kurzweiligen Festrede wieder lebendig werden. Das Martina- Eisenreich- Quintett umrahmte die Feier mit faszinierender Musik.
„Caféhaus- Literat, Wirrkopf, Utopist, der an der Realität gescheitert ist“ – so nannten seine gemäßigten Kritiker Kurt Eisner schon zu Lebzeiten. Für die rechte Presse war er ein „jüdischer Bolschewist“. Konservative, Marxisten und sogar viele SPD- Mitglieder standen ihm ablehnend gegenüber. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg tat man sich in Bayern lange Zeit schwer mit einer Würdigung Eisners in Form eines Denkmals. Im Landtag gab es emotionale Debatten darüber und im Schulunterricht wurde seine Person nur sporadisch behandelt. „Erst jetzt ist Zeit für eine wahrhaftige Bewertung“, hofft der Fraktionschef der Landtags- SPD, Markus Rinderspacher, der eine aktuelle Position der Staatsregierung vortrug, die den bisherigen bissigen Anfeindungen aus den Reihen der CSU entgegensteht: „Die Rolle Kurt Eisners bei der Beendigung des Ersten Weltkrieges, beim Ende der Monarchie und der Einführung einer demokratischen Verfasstheit in Bayern, beim Bemühen, den künftigen deutschen republikanischen Bundesstaat föderal auszugestalten und bei der Bereitschaft, auch die (Mit- )Verantwortlichkeit des Deutschen Reiches beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Grundlage für eine neue Friedensordnung in Europa anzuerkennen, werden von der Staatsregierung außerordentlich positiv bewertet.
Hinzu kommt die Tatsache, dass Eisner als Intellektueller (vor allem orientiert an Immanuel Kant), mit seinem jüdischen (familiären) Hintergrund und als Pazifist (zumal als Zeitgenosse der Blutbäder des Ersten Weltkrieges) wie durch seine Ermordung als amtierender Bayerischer Ministerpräsident am 21. Februar 1919 zu einer Symbolgestalt für aufgeklärt- demokratische Kräfte gegenüber den chauvinistisch- antisemitischen wurde, in deren späterer Konsequenz auch die Barbarei des NS- Regimes in Bayern und Deutschland steht.
Es liegt nahe, dass die historische Rolle Kurt Eisners, insbesondere bei der Proklamation des bayerischen Freistaates in der Nacht zum 8. November 1918, vor allem im Zusammenhang mit den zentralen bayerischen Jubiläumsfeierlichkeiten des Jahres 2018 („100 Jahre Freistaat Bayern“) gewürdigt werden wird“. Scheinbar vertritt die Staatsregierung kurz vor dem 100. Jahrestag der Revolution nun doch noch die Auffassung, dass der Rolle Kurt in angemessener Weise Rechnung getragen werden muss, so die Vermutung Rinderspachers. Sein 150. Geburtstag dieses Jahr sei ein geeigneter Anlass, uns an Kurt Eisner und seine großen Errungenschaften für Bayern zu erinnern.
Die Persönlichkeit Eisners wird auch heute noch von unterschiedlichen Interessengruppen vereinnahmt. Wird er einerseits als Idealist und Utopist abgetan, so loben ihn andere als fortschrittlichen Mann der Tat.
Bildunterschrift: AK Labertal und Seliger Gemeinde mit MdL Ruth Müller (5.re.) und Christian Ude 4.vli.) beim Eisner- Geburtstagsfest im Maximilianeum